Für jedes Medium gibt es eine bestimmte Schreibweise. Im Internet zu publizieren stellt eine besondere Herausforderung für den Autor dar. Wenn Sie einige Tipps für das sogenannte Webwriting befolgen, können Sie den Besuchern das Lesen auf Ihrer Website erleichtern.
Besondere Bedingungen
Es ist unumstritten, dass beim Lesen am Bildschirm besondere Bedingungen herrschen. Jedoch ist umso unklarer, welche Folgerungen daraus zu ziehen sind. Bekannt ist auch, dass Websurfer in der Regel sehr in Eile sind. Dadurch ergeben sich einige Unterschiede zu gedruckten Medien.
Farbgebung
Aus wissenschaftlicher Sicht ist schwarzer Text auf weißem Hintergrund am Bildschirm eher ungünstig. Denn der Monitor ist eine direkte Lichtquelle und erzeugt für ein weißes Bild 100% Licht in allen Farben. Auf Papier entsteht nur ein diffuses Licht, da das natürliche Licht reflektiert wird.
Jedoch kann man auch dagegen argumentieren. Aus Gewöhnung kann Mensch einfach besser auf hellem Hintergrund lesen. Außerdem ist dies ein wesentlich angenehmeres Kontrastbild. Weißer Text auf dunklem Grund sticht stark hervor und erschwert dadurch das Lesen.
Zudem wirken dunkel gehaltene Websites traurig und unfreundlich. Eine helle Site wird als frisch und freundlich wahrgenommen. Es liegt also im Auge des Betrachters und am Geschmack des Publizierenden.
Sprachgebrauch
Versuchen Sie nach der für Journalisten wohl bekannten “KLAVKA-Regel” zu schreiben. Danach heißt es, der Text sollte klar, lebendig, anschaulich, verständlich, knapp und angemessen sein. Oft hilft es schon, wenn Sie das Passiv und unnötige Füllwörter vermeiden.
Auch die für Werbebriefe angewandte “AIDA-Regel” lässt sich oftmals auf Webtexte, gerade bei Online-Shops, anwenden. Danach heißt es Aufmerksamkeit erregen, Interesse wecken, Wünsche (engl. desire) schüren und Aktion bzw. Handlung erzeugen.
Wägen Sie auch ab, wie Sie Ihre Besucher ansprechen. Ob mit “Sie” oder “Du”, ist eine Frage der Zielgruppe. Auf Informationsseiten oder geschäftlichen Websites siezt man, im Unterhaltungsbereich oder in Communities wird gern geduzt.
Auf die Länge kommt es an
Bezüglich der Länge eines Textes im Web ist man sich auch nicht einig. Einige setzen auf kurze, fast schlagwortartige Texte, andere schweifen gern aus oder berichten ausführlich. Generell sollte ein angenehmes Mittelmaß gefunden werden, damit die Motivation des Lesers und den Informationsgehalt der Texte ausgewogen bleiben.
Teilen Sie den Inhalt in übersichtliche Absätze pro Gedanken ein und vermeiden Sie lange “Bandwurmsätze”. Insgesamt sollte ein Text nicht länger als zwei DIN A4 Seiten bei Schriftgröße 12 sein. Wenn es mal länger wird, müssen dementsrechend genug Informationen geboten werden.
Texte auflockern
Sie können Ihre “Bleiwüsten” nicht nur durch gedankliche Absätze auflockern. Auch stilistische Mittel, wie Einrückungen, Kapitälchen, Initialen oder Illustrationen schaffen angenehmen Freiraum zwischen den Zeilen.
Ihre Texte sollten pro Zeile nicht mehr als 450 Pixel einnehmen, sonst wird das Lesen erschwert. Vereinzelt sind auch mehrere Spalten, wie in Tageszeitungen empfehlenswert.
Besucher “scannen” den Text
Aufgrund des enormen Informationsangebots im Netz und dem beinahe “krankhaften” Zeitmangel der Websurfer werden Texte vor dem Lesen zunächst überflogen. Dabei werden wichtige Informationen gesucht. Danach entscheidet sich der User, ob es lohnenswert ist den gesamten Text zu lesen. Daher sollten Sie die wichtigsten Informationen bereits am Anfang in einem soganannten Teaser (Appetitanreger) zusammenfassen und wichtige Stichpunkte im Text evtl. hervorheben. Verzichten SIe hierbei auf kursive Schrift, da diese schlechter zu lesen ist.
Nicht ablenken
Alles, was den Leser ablenkt, stört bei der Aufnahme der Informationen. Versuchen Sie Links direkt im Text zu vermeiden. Jeder Link ist eine Aufforderung zur Entscheidung und behindert den Lesefluss. Blinkende Animationen im oder neben dem Text belasten das Gehirn und beschränken die Aufnahmefähigkeit genauso, wie dudelnde Hintergrundmusik.
Sie sollten auch horizontale Unterbrechungen, wie Linien oder Banner im Inhaltsbereich vermeiden, denn diese werden leicht als Ende des Textes aufgenommen.
Überblick schaffen
Anders als bei einem Buch oder anderen gedruckten Medien, weiß man auf einer Website nicht immer, an welcher Stelle man gerade angekommen ist. Viele Besucher kommen über Suchmaschinen auf Unterseiten Ihrer Homepage. Also versuchen Sie zusammenhängende Texte nicht auf mehrere Seiten aufzuteilen und zeigen Sie immer die aktuelle Position in der Seitenstruktur an. Sie können sich auch mal wiederholen, um es Quereinsteigern leichter zu machen den Faden nicht zu verlieren.
Druckversion anbieten
Da die Leute doch noch am liebsten in der Hand halten, was Sie lesen möchten, sollten Sie für längere Texte oder detailierte Informationen spezielle Durckversionen anbieten. Achten Sie hierbei darauf, dass der Text mit Quellennachweis, also der vollständigen URL des Artikels, ausgedruckt wird. So findet der Leser Ihre Inhalte online wieder, wenn er möchte.
Besucher mitwirken lassen
Durch die Techniken des World Wide Web ist der beidseitige Informationsaustausch im Medium möglich. Lassen Sie Ihre Besucher an der inhaltlichen Gestaltung Ihrer Website teilhaben. Geben Sie den Lesern die Möglichkeit Ihre Artikel in Foren zu kommentieren oder zu bewerten. So schaffen Sie eine interaktive Kommunikationsplattform. Das Internet ist viel mehr als nur eine Informationsquelle.
Links zum Thema:
Webwriting-Magazin – Über das Publizieren im Web
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(CBS | 29.03.02)



Interessanter Artikel. Allerdings hätte ich min. einen Absatz über barrierefreies Webdesign erwartet, da ja Anfangs auf Besondere Bedingungen und Farbgebung eingegangen wird. Sonst sind viele nützliche Tipps enthalten, und ein guter Link.
Ja, zum Thema Barrierefreiheit haben wir einen komplett eigenen Artikel. ;)