Das Geschäft mit Dialern blüht. Immer neue Geschäftsideen haben nur ein Ziel: Den Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Wer keine Porno-Werbung sehen will, muss blechen!
Es soll doch wirklich Leute geben, die eine Pressemitteilung über den Verteiler der deutschen Presseagentur an hunderte Redaktionen schicken und erwarten, dass man ihre vorgeblich “guten” Absichten mit einer redaktionellen Nennung würdigt. Wir bedanken uns für den Themenvorschlag eines Portalbetreibers, der dafür wirbt, dass man seine “Startseite” mit einer Kurznachricht per Handy werbefrei machen kann. Eigentlich eine gute Idee. Wenn man das Angebot unseres selbstlosen Helden jedoch einmal näher betrachtet, ist das Motiv leicht zu erkennen: Abkassieren, egal wie!
Als erstes beglücken den Besucher flackernde Porno-Banner, die im Endeffekt zum Download eines 0190-Dialers führen. Davon bereits abgeschreckt, entdeckt man wirklich auch einen Hinweis auf die Möglichkeit diese Banner auszublenden. Wenn man dann seine Telefonnummer bei der Anmeldung angibt, um die Registrierung über einen Rückruf zu bestätigen, darf man die Porno-Dialer-Werbebanner gegen ganze zwei Euro pro SMS für vier Wochen ausblenden. So weit bin ich nicht gegangen, da ich wegen des unvollständigen Impressums und den offenbar fehlenden Datenschutzrichtlinien meine private Nummer – Handynummern werden vom System abgelehnt – nicht preisgeben wollte.
Kundenfalle Dialertausch: Abzocke garantiert!
Auf der Suche nach weiteren kreativen Geschäftsideen fand ich eine weitere von der “einfallsreichen” Sorte. Der sogenannte “Dialertausch” eines Geschäftsmannes aus einer Siebentausend-Seelen-Stadt in Bayern verspricht das Unglaubliche: “Klickt ein User auf ihren Banner lädt er direkt Ihren Dialer herunter.” Ein Geschäftskonzept, dass den Betreiber zumindest nichts kostet. Der “Dialertausch” wird über einen kostenlosen Dienst betrieben, der es ermöglicht einen eigenen Bannertausch zu starten. Und das System funktioniert: Ich habe mich einmal ein wenig auf den Seiten des “Dialertauschs” herumgetrieben und konnte mich vor lauter Einwahl-Downloads kaum retten. Beim Klick auf einen der Banner des Tauschssytems öffnet sich in der Regel sofort eine Installationsaufforderung. Hier bewegt sich ein Bayer auf glattem Eis und wir werden versuchen, dem Treiben ein Ende zu setzen – Fortsetzung folgt.
Kreativität kann man nicht verbieten
Der Gesetzgeber scheint trotz aller Anstrengungen machtlos gegenüber dem internationalen Netzwerk der Geldmacher zu sein. Ob das kürzlich verabschiedete Anti-Dialer-Gesetz wirklich Abhilfe schaffen kann, bleibt fraglich und muss erst noch in der Praxis bewiesen werden. Dass jedenfalls weiterhin genügend Lücken für Missbrauch bestehen, daran zweifeln weder Verbraucherschützer noch Politiker selbst.
Eines muss man den Abzockern jedoch lassen: Ihre täglich neuen Einfälle lassen einen immer wieder staunen. Egal ob Spam, Dialer oder Viren, der Einfallsreichtum der Nutznießer scheint unerschöpfbar.
Da hilft wohl nur noch ein Gesetz gegen kreativen Geschäftsinn, aber das wird es – zum Glück – wohl niemals geben. Die Unternehmen, die sich auf die Sicherheit im Internet spezialisiert haben, wird es freuen. Und so verdient die Wirtschaft doppelt und der Verbraucher zieht, wie so oft, den Kürzeren.
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(CBS | 07.06.03)


