Die sogenannte Internetregierung ICANN hat kürzlich die Wahl der Vertreter durch die Internetuser abgeschafft. Somit wird “dem Netz” seine eigene Handlungsfähigkeit bis auf weiteres entzogen. Auch weitere Pläne lassen nicht auf eine stärkere Einbindung der User bei Entscheidungen schließen, im Gegenteil…
Was ist ICANN überhaupt?
Die “Internet Corporation for Assigned Names and Numbers” ist die wichtigste Organisation im Internet. Oft auch als Internetregierung bezeichnet, kontrolliert diese zentrale Verwaltung, wie Sie sich selbst lieber nennt, aus technischer Sicht das administrative Herz des gesamten Internets. Dazu gehört die Koordinierung der IP-Adressen, des Domainnamen-Systems sowie der Internetprokolle und die Überwachung des Betriebs der Root-Server. Kurz gesagt, diese “non-profit” Organisation mit Sitz in Kalifornien (USA) hält die bedeutenden Fäden in der Hand. Die ICANN spielt damit eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung des Internets, welche gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Konsequenzen hat.
Wer ist die ICANN?
Gute Frage, das weiß sie mittlerweile scheinbar selbst nicht mehr genau. Nachdem die Online-Wahlen durch die “ICANN-At-Large” abgeschafft wurden, muss nun zunächst ein Gremium über die zukünftige Führungsstruktur der “Internetregierung” nachdenken.
So viel steht fest: Die politischen Regierungen der Welt sind im “Governmental Advisory Committee” (GAC) vertreten, deren “Beschlüsse für das ICANN-Direktorium rechtlich nicht bindend sind. Bislang gab es allerdings auch keinen ernsthaften Konflikt zwischen GAC und dem Direktorium”, laut ICANN-Channel. Die “Address Supporting Organization” (ASO) kümmert sich um Koordinierung der IP-Adressen und die “Domain Name Supporting Organization” (DNSO) ist für das Domainnamen-System zuständig.
Wären also die wichtigsten Belange bedient, bis auf die der Millionen Internetnutzer, die in der “ICANN-At-Large” ihr Mitbestimmungsrecht wahrnehmen können. Doch das einzige Mittel dazu, die weltweiten Online-Wahlen, wurden wie gesagt zunächst abgeschafft!
ICANN-At-Large?!?
Jeder der eine Postanschrift und eine gültige Emailadresse besitzt kann Mitglied der sogenannten “Internetnutzer in Gesamtheit” werden. Deren Mittel der Mitwirkung war bisher, wie bei jeder demokratischen Organisierung einer Sache, die Wahl. Mit der weltweiten “At-Large-Wahl” wurden bisher die hälfte der Gremiumssitze vergeben.
Jedoch ist die Rolle der Internetnutzer bei der weiteren Gestaltung des Internets zur Zeit alles andere als klar. Auch hierfür soll bald eine “Lösung” gefunden werden. Die Nutzerbeteiligung durch die “ICANN-At-Large” liegt also bis auf weiteres auf Eis…
ICANN-At-Future…?
Bleibt also zunächst abzuwarten, wie die Nutzer, die das Internet schließlich bedeutend mitgeformt haben, weiter an der Fortentwicklung des Webs beteiligt werden sollen.
Stuart Lynn, der Präsident der ICANN, hatte kurz vor der Abschaffung der Online-Wahlen einen Reformplan vorgelegt, dem nach sollen Regierungen und von der ICANN selbst nominierte Direktoren die Rolle der Nutzervertreter in der Selbstregulierung des Domainnamen-Systems übernehmen.
Diese Ansätze lassen stark darauf schließen, dass man an einer tragenden Rolle der User an der zukünftigen Gestaltung des Internets seitens ICANN wohl kaum interessiert ist!
Webmaster-News zum Thema
16.03.02 – ICANN entscheidet gegen globale Wahlen
05.03.02 – ICANN will Nutzerbeteiligung abschaffen
Links zum Thema
ICANN – Offizielle Website (englisch)
ICANN-At-Large – Mitglied werden und im Forum disktuieren (englisch)
ICANN-Channel – Deutsches Informationsportal zur ICANN
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(CBS | 16.03.02)


