Die Netzwelt hält den Atem an, da wurden mal eben neun von dreizehn der wichtigsten Server im Internet lahm gelegt? Haben Sie etwas davon gemerkt? Der Rest der Welt wohl auch nicht, wenn man nicht von offizieller Stelle Alarm geschlagen hätte.
Falls Sie es noch nicht wussten…
Diese Woche Montag gegen 10 Uhr unserer Zeit erlebte die Welt die “größte und höchst entwickelte” Attacke auf das Internet, zumindest wenn man dem FBI Glauben schenkt. Ob die Welt ohne diese offizielle Mitteilung überhaupt etwas von dieser “Bedrohung” mitbekommen hätte, ist fraglich.
Was ist also eigentlich passiert? Eine sogenannte “Distributed Denial of Service”-Attacke (DDoS), eine Art “Datenmüll-Sintflut” aus mehreren Richtungen, hatte das sogenannte “Rückrad” des Internets, die Root-Server, attackiert. Mit Erfolg: Sieben Rechner fielen ganz aus, zwei arbeiteten nur noch unzuverlässig. Seit Jahren werde vor diesem “Schreckensszenario” von Sicherheitsexperten in Sachen “Cyberterrorismus” gewarnt.
Die Root-Server der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) sorgen dafür, dass die IP-Adressen von Usern in die bekannten Domainnamen “übersetzt” werden. Die ICANN, die auch oft als “Internet-Regierung” bezeichnet wird, war bzw. ist des öfteren Ziel solcher Angriffe. Bereits im November letzten Jahres war das interne Netzwerk der ICANN ins Visier einer solchen Attacke geraten.
Mit einem blauen Auge davon gekommen…
Nach Meinung der Experten führe ein Ausfall von mehr als vier Root-Servern über einen “längeren Zeitraum”, der bisher praktisch nicht weiter bestimmbar ist, zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Internetverkehrs.
Dass es nicht zu diesem “Internet-GAU” kam, sei zumindest nach Meinung derer, die mit der entsprechenden Sicherheitstechnik Geld verdienen, den gut abgestimmten, präventiven Vorkehrungen zu verdanken.
Nun wird die Angst vor neuen, “noch” größeren, schwerwiegenderen Angriffen und deren möglichen Folgen gewarnt. Schnell werden “neue” Schreckensvisionen veröffentlicht, die zum Beispiel die Internet-Verbindung der Kontinente in großer Gefahr sieht und wo gegen es sich schwer schützen lasse. Eine Branche fördert die Nachfrage für Ihre Produkte. Diverse amerikanische Sicherheitsinstitutionen sehen sogar “die Freiheit des christlichen Abendlandes” in akuter Gefahr.
Verhalten kommen erste Entwarnungen…
Wie schon nach der Abschaltung eines des bedeutendsten Glasfaser-Netze Europas, der Fall von KPNQwest, kommen erste Entwarnungen nachdem der Praxisfall alle “Ausnahmezustandstheorien” wiederlegt hat. So geht man davon aus, dass “normale” DDoS-Attacken der grundlegenden Infastruktur des Internets nicht allzu gefährlich seien. Um wirksam gegen die Funktionsfähigkeit des globalen Netzes vorgehen zu wollen, müsse man das Root-System derart attackieren, wie es mit der bisher “größten Internet-Attacke aller Zeiten” nicht möglich war. Diese tropfte in diesem Sinne eher ohne bedeutende Wirkung am System ab, da innerhalb dieser Stunde des partiellen Ausfalls, die Vielzahl der Namensserver der Internet-Provider, die überall auf der Welt verteilt sind, ihre Aufgabe mit den “alten” Daten weiterführten.
Wer also bei der Ergreifung der “Internet-Weltmacht” mit heißer Luft schießt, kann vielleicht Amazon, eBay oder Yahoo für wenige Stunden lahmlegen, dem Internet in seiner Gesamtheit schadet man damit jedoch nicht.
Links zum Thema:
Spiegel: Größte Internet-Attacke aller Zeiten – War da was?
Netzzeitung: Angst vor neuen Angriffen auf das Netz
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(CBS | 26.10.02)


