Seit Monaten ist Strato immer wieder in den Schlagzeilen und sorgt für Spannung bei hundertausenden Kunden. Was am Ende aus den rund 2 Millionen deutschen Kunden-Domains und den dazugehörigen Websites geschieht, ist alles andere als klar. Vielleicht entsteht aus der vermeitlichen Kriese auch einer der größten Hoster Europas.
Pannen ohne Ende
Seit März 2001 scheint sich die Strato Medien AG, einer der beiden größten deutschen Webhoster, nicht mehr zu erholen. Damals kam es zu einer riesigen Pannenserie bei der zeitweise hunderttausende deutsche Internetpräsenzen nur schlecht oder garnicht erreichbar waren.
Schon in dieses Tagen war der Informationsstand der Öffentlichkeit und der betroffenen Kunden dürftig. Seitens des Hosters wurde nur nach und nach spärliche Aufklärung betrieben, die allerdings im einzelnen keine Zusammenhänge klar werden ließ.
Schon seit längerem hängt anscheinend der Haussegen zwischen Strato und dem Technikpartner KPNQwest Germany schief. Heute baut sich langsam ein grobes Bild zusammen. Aktuellen Berichten zufolge habe man sich gegenseitig Ärger gemacht. Den längeren Atem bewies der Massenhoster, noch. Der Internet-Carrier und Betreiber des Karlsruher Rechenzentrums, in dem Strato alle Kundenpräsenzen hostet, ist mittlerweile zahlungsunfähig. Hat Strato den Technikpartner am “langen Arm verdursten lassen”?
Rund 1/3 der Domains bald obdachlos?
Offenbar ist schon seit längerem der Erhalt der Kundenpräsenzen auf der Kippe. Schon vor der offiziellen Insolvenz des Internet-Carriers KPNQwest sei vermutlich der Vertrag ausgelaufen oder nicht verlängert worden. Im letzten Moment hat Strato durch rechtliche Schritte die Weiterführung des Betriebs durchgebracht. Die höllandische Mutter bewies mit der kurzzeitigen Abschaltung des gesamten KPNQwest-Netzes, das z.T. 50% des Traffics trug, vor kurzem offensichtlich Ihre Macht.
Festzustellen ist, dass alle Seiten lange Zeit nur wenig zur Aufklärung der gesamte Situation beigetragen haben. Die Schlagzeilen überschlugen sich teilweise stündlich. Die gesamte Situation lässt sich nur auf Basis vieler Gerüchte und Vermutungen überblicken. So kann sich das Blatt schnell mit der nächsten Pressemitteilung wenden.
Zudem versucht Stratos größter Konkurrent offenbar auf die Entwicklung Einfluss zu nehmen. Die 1&1 Internet AG die, wie Strato, rund ein Drittel der deutschen Domains hostet, zeigt öffentlich Interesse am Strato-Rechenzentrum.
Seitens Strato werden starke Bedenken gegenüber dem Kauf des Rechenzentrums durch 1&1 geäußert. Anscheinend befürchtet man eine Übernahme und wollte sich daher mit Hilfe des Kartellrechts wehren. Diese Anstrengungen wurden jedoch abgewiesen. Allein eine einstweilige Verfügung verhindert derzeit die Übernahme des Rechenzentrums. 1&1 hingegen sieht keine kartellrechtlichen Bedenken und hat Widerspruch eingelegt.
Zu vermuten ist, dass ein heißer Preiskampf um das Karlsruher Cyber-Center zwischen den beiden Parteien entflammt. Endet dies so, wie die Versteigerung der UMTS-Lizenzen, ist abzusehen, dass einer der beiden den Kürzeren zieht. Strato braucht auf jeden Fall ein “Dach über dem Kopf”. Eine halbe Million Kunden würden auf einmal mit Ihren Internetpräsenzen “auf der Straße” stehen.
Wo wird das alles enden?
Offen bleibt, warum sich KPNQwest Germany und Strato nicht einig wurden. Beide hatten sich immer wieder öffentlich Vorwürfe gemacht. Wollte Strato das Rechenzentrum über kurz oder lang für sich allein haben? Der holländisch-amerikanische Mutterkonzern des Technickpartners KPNQwest war schon länger in finanziellen Schwierigkeiten. Eine Insolvenz war sicher abzusehen. Daher könnte man denken, Strato hat strategisch gehandelt und es dem Technikpartner zusätzlich schwer gemacht. Auffällig ist auch, dass man sich von Strato aus anscheinend keine Anstrengungen gemacht hat, eine vertragliche Einigung für den Weiterbetrieb des Rechenzentrums oder sogar einen anderen Partner zu finden. Die einstweilige Verfügung lässt jedoch vermuten, dass Strato sich im Recht fühlte und dies auch durchsetzte.
Ob man damit gerechnet hat, dass 1&1 sich einmischen würde, ist fraglich. Am Ende kann eigentlich nur 1&1 als Nutznießer der Situation hervorgehen. Stratos größter Konkurent ist nicht auf das Karlsruher Rechenzentrum angewiesen, so wie der Berliner Hoster. Durch die Nachfrage steigert man auf jeden Fall den Preis, den Strato bezahlen muss, um nicht bald “im Regen zu stehen”.
Interessant ist auf jeden Fall, dass es noch Ende letzten Jahres von der Strato-Mutter Teles aus hieß, man wolle im Webhosting-Bereich nach Möglichkeit schon zu Beginn diesen Jahres kooperieren. Den Aussagen zufolge kam nur die United-Internet-Tochter 1&1 in Frage. Es hieß man wolle sich mit “einem weitereren sehr erfolgreichen Value Added Internet Service Provider” zusammenschließen, um zusammen die Marktführerschaft in Europa zu übernehmen. Ist also das ganze Getummel nur eine PR-Aktion? Wundern würde es mich jedenfalls nach dem Chaos der letzten Wochen nicht!
Links zum Thema:
Strato Medien AG – Berliner Massenhoster
Teles AG – Muttergesellschaft von Strato
1&1 Internet AG – Größter Konkurrent von Strato
United Internet AG – Muttergesellschaft von 1&1
KPNQwest Germany – Stratos insolventer Technikpartner
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(CBS | 03.08.02)


