Das niederländsiche TK-Unternehmen KPN hat offenbar das deutsche Glasfasernetz des insolventen Internet-Carriers KPNQwest gekauft, berichtet heise.de in Bezug auf interne Quellen von KPNQwest Deutschland.
Offiziel wolle das Unternehmen den eventuellen Kauf erst in einigen Wochen bestätigen. Bekanntgegeben habe KPN, dass man nicht nur das Network Operation Center (NOC) von KPNQwest in Den Haag sondern auch den niederländischen Teil des KPNQwest-Glasfaserrings aquieriert habe. Weitere Angebote für die Euro-Rings in Deutschland, Belgien und Großbritannien würden vorliegen, so KPN-Sprecher Marinus Potman.
Die Kommunikationsunternehmen KPN und Qwest sind Hauptanteilseigner an KPNQwest.
Der Insolvenzverwalter der KPNQwest Deutschland GmbH, Ulrich Bert, sei nun bemüht die restlichen Teile des Unternehmens zu verkaufen. Darunter u.a. das “Strato-Rechenzentrum” in Karlsruhe. Um dessen Kauf streiten sich derweil immernoch die 1&1 Internet AG und die Strato Medien AG. Strato hostet derzeit dort seine gesamten Kundenpräsenzen. 1&1 habe nach eigenen Aussagen mehr als 15 Millionen Euro für eine Übernahme geboten. Strato wolle das Rechenzentrum aber gern in Eigenregie übernehmen und erwirkte eine einstweilige Verfügung, die derzeit 1&1 an einer Übernahme hindert.
Weiterhin habe Strato das Bundeskartellamt eingeschaltet. Eine Überprüfung, ob ein Kauf des Rechenzentrums durch 1&1 nicht einen Verstoß gegen das Kartellverbot wegen unzulässigen “Abkaufs von Wettbewerb” darstellt, wurde inzwischen abgelehnt.
1&1 wolle gegen die einstweilige Verfügung nun Widerspruch einlegen. Dennoch ist eine Übernahme seitens des Konkurrentenn 1&1 sehr fraglich: Dem bestehenden Kooperationsvertrag mit KPNQwest nach, habe Strato die Option im Falle der Insolvenz von KPNQwest “die Hardware und die spezielle Software, die KPNQwest zur Erfüllung des Kooperationsvertrages einsetzt” zu kaufen. Der Kaufpreis richte sich dabei nach dem aktuellen Verkehrswert.
1&1 und Strato sind mit großem Abstand Marktführer im deutschen Webhosting-Bereich. Jeweils rund ein Drittel aller deutschen Domains stehen unter ihrer Verwaltung.
Im Zuge der KPNQwest-Insolvenz kam es letzten Mittwoch zu einer kurzzeitigen kompletten Abschaltung des deutschen KPNQwest-Glasfasernetzes, wir berichteten. Obwohl die KPNQwest Deutschland GmbH das Netz angeblich in Eigenregie führte, war es den niederländischen Insolvenzverwaltern, vermutlich durch eine Hintertür, möglich das Licht in den Glasfasern auszuknipsen.
Insidern zufolge habe KPN “sanften Druck” auf die niederländischen Insolvenzverwalter ausgeübt damit diese den deutschen Ring genau während der Verhandlung zwischen dem deutsche Insolvenzverwalter Ulrich Bert und KPN stillegen. Damit habe man “unbedingt Macht demonstrieren wollen”. Mit Erfolg: Der Verkauf des Netzes an KPN solle dadurch vorrangebracht worden sein.
Derzeit kann allerdings vorerst Entwarung gegeben werden. Nach Berichten von heise.de wurden “Zusagen getroffen, die den Netzwerkbetrieb und das Management solange aufrecht erhalten, bis es zu einem Ergebnis über den Status von KPNQwest Deutschland nach dem 1. September kommt”.
Nicht nur der Berliner Webhoster Strato sei von dieser kurzfristigen Abschaltungen getroffen worden, auch die Karlsruher Web.de AG. Diese wurde ebenfalls bis vor kurzem außschließlich vom Technikpartner KPNQwest versorgt. Nach Angaben von Firmensprecherin Eva Vennemann sei man zwar an “fünf bis sechs verschiedene Provider” angebunden, aber die Nameserver des Portal-Betreibers waren dennoch nicht mehr erreichbar. Folglich war auch Web.de über Stunden unter seinem Domain-Namen nicht mehr erreichbar, so heise.de
Messungen der Firma Keynote zufolge führte die Ring-Abschaltung kaum zu einer Erhöhung der Zugriffszeiten in Deutschalnd. Gemessen werde nach wie vor Websites aus dem Keynote German-40-Index, also etwa Spiegel Online, Yahoo, Lycos oder Amazon.de. In geringen Abständen werden die Seiten von verschiedenen Backbones gemessen.
Nachdem am 20. Juli KPNQwest ankündigte den Support für das Netz ab sofort einzustellen, ergaben die Messungen von Keynote, dass die Performance deutlich nach unten ging und sich auf schlechtem Niveau wieder einpendelte. Es wird vermutet, dass viele Provider nach dieser Ankündigung Alternativrouten einrichteten um KPNQwest möglichst weiträumig zu umgehen.
So lief ein Großteil des Traffics bereits am KPNQwest-Netz vorbei. Am 19. Juli berechnete man durchschnittlich 1,5 bis 2 Sekunden zum Abruf einer Seite aus dem Index. Derzeit seien es ca. 2,5 bis 3 Sekunden. Letztendlich sorgt die KPNQwest-Insolvenz, wenn auch im Moment relativ gering, tatsächlich für Performance-Einbußen im europäischen Internet.
Links zum Thema:
KPN-Telecom (englisch)
InternetCarrier KPNQwest (englisch)
Strato Medien AG
1&1 Internet AG
Internet-Portal Web.de
Keynote Internet Monitoring (englisch)
Nachrichtenmagazin heise.de
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(AM | 31.07.02)


