Der Hype um “The Million Dollar Homepage”, die einem britischen Studenten jede Menge Geld und Aufmerksamkeit einbrachte, zeigt Nebenwirkungen. Als wäre eine sinnlose Homepage mit einer Million für Werbung verkaufter Pixel nicht genug, überrollt nun eine Welle von Pixelseiten das Internet.
Die Idee ist einfach und der Erfolg einmalig. Die Homepage des britischen Studenten Alex Tew, der 1 Million Pixel zum Preis von jeweils 1 Dollar zum Verkauf anbot, ist ausgebucht. Die letzten Pixelbausteine zu jeweils mindestens 10 mal 10 Pixel wurden Mitte letzten Monats für mehr als 30.000 Euro bei eBay verkauft. Jedoch schon hier ist die erste Pixelblase geplatzt, das bisherige Höchstgebot über 140.300 Dollar war offenbar ein Fake und wurde kurz vor Auktionsende zurückgezogen.
Längst überrollt eine Welle von Nachahmern das Internet. Mit so wenig einfallsreichen Titeln wie “The Next Million Pixel” oder “Eine Million Euro Homepage” versuchen alle, die “bis drei zählen” können, auf die Erfolgswelle aufzuspringen. Das “beste” ist, jeder kann es: das “Million Dollar Script” kann man für 50 US-Dollar erwerben. Mit nunmehr mäßigen Erfolgsaussichten, versteht sich. Der Erfolg von Tews Website bestand in dem “First Mover Effect”. Eine neue, bisher einmalige, wie auch einfach Idee, die die Gier der Medien nach Neuem und den Kommerzgeist der Werbebranche weckte. Letztere sind so schnell verflogen, wie der Verkauf der ersten Million Pixel ging. Ebenso bedenklich sind viele Angebote, die hinter solchen Pixelanzeigen stehen. Vom Escortservice, der Prostituierte als “Modelle” und Nachtclubs als “Studios” bezeichnet über Swingerclubverzeichnisse bis zu unmoralischen Auktionen ist offenbar jeder, der Abzocken will, wieder mal dabei.
Guter Wille, dennoch kein Pixelerfolg
Das in Deutschland wohl populärste Plagiat: “Ein Pixel für Kinder”. Die zwar nett gedachte, aber dennoch wenig erfolgreiche Kampagne von Bild.T-Online und “Ein Herz für Kinder” wurde nach wenigen Wochen wieder vom Netz genommen. Vermutlich haben die Initiatoren der verschwindend geringe Anteil der verkauften Fläche trotz Medienpräsenz Online sowie im TV dazu bewegt. Auch die Kritik daran, dass die Pixelkäufer nicht als Spender quittiert würden und fragwürdige Anzeigebuchungen möglich waren, wuchs kontinuierlich.
Ähnlich geringes Interesse scheinen die Internetuser daran zu haben, das freundliche Lächeln von Frau Merkel auf “MillionenMerkel.de” mit Pixelanzeigen zu überdecken. Die einzige Pixelidee mit etwas Anspruch scheint die eines deutschen Künstlers zu sein, der auf seiner Website “One Million Handmade Pixels” 4.840 handsigniert Gemälde über den Pixelverkauf anbietet. 15 Kunstwerke haben bereits den Besitzer gewechselt. Der “große Wurf” wird dieses Projekt aber sicher auch nicht mehr werden.
Links zum Thema:
Pixelparadies: The Million Dollar Homepage
Eine unter Millionen: Eine Million Euro Homapage
Million Dollar Script für Jedermann
Misserfolg: Ein Pixel für Kinder
Politische Pixel bei MillionenMerkel.de
Eine Million Pixel handgemacht
(CBS | 03.02.06)


