Heute würde der erste Teil des Glasfasernetzes vom insolventen Internet-Carrier KPNQwest abgeschaltet werden.
Nachdem der erst vor kurzem von KPNQwest übernommene Betreiber Ebone die Mitarbeiter entlassen hatten, übernahmen diese kurzerhand die Schaltzentrale des Netzwerkes und sicherten so den weiteren Betrieb.
Bis jetzt hätte sich kein Unternehmen gefunden, dass bereit wäre das Netz zu übernehmen. Die ehemaligen Mitarbeiter würden heute gegen 17:00 Uhr das Ebone-Netz entgültig abschalten, wenn bis dahin keine Lösung gefunden werde. So heißt es zumindest auf der Website der Ebone-Besetzer.
Die ehemaligen Mitarbeiter hätten seit acht Tagen freiwillig und ohne Bezahlung das Ebone-Netzwerk weiter am leben gehalten. Jetzt seien sie “total erschöpft” und haben sich für diesen Weg entschieden.
Der betroffene Glasfaserring würde von Unternehmen, wie Cable & Wireless, AOL, Chello, Telecom Italia und auch der Deutschen Telekom genutzt. Rund 25 Prozent des europäischen Datenaufkommen würden über dieses Netz laufen, berichtet de.internet.com.
Die genauen Auswirkungen einer Abschaltung kann niemand genau vorhersagen. Selbst die Techniker in der Schaltstelle könnten keine Einschätzung abgeben. Laut Graham Kinsey, öffentlicher Sprecher der Betriebsbesetzer, wäre noch nie ein so großer Teil des Netzes außer Betrieb gewesen. Allerdings seien konkrete Ausfälle nicht zu erwarten. Es wäre aber mit einer wesentlich höheren Netzlast zu rechnen, so dass eine spürbare Verlangsamung eintreten würde.
Spiegel Online berichtete vor kurzem, dass Experten der Situation entspannt entgegen sehen. Die Überkapazitäten im Internet seien mittlerweile für eine Übernahme des Datenaufkommens der Eurorings ausreichend.
Über 40 Unternehmen hätten sich nach Angaben von de.internet.com mit einem konkreten Angebot für Teile des Netzes von KPNQwest an den niederländischen Insolvenzverwalter Eddie Meijer gewendet. Warum davon noch keine konkrete Übernahme stattfand ist unklar.
Im März 2002 erwarb die nun insolvente KPNQwest den paneuropäischen Backbone Service (Ebone). Dadurch hat KPNQwest ihr eigenes europäische Netz vervollständigt. Technisch gesehen ist das Ebone-Netz ein seperates Netzwerk mit eigener Steuerzentrale und eigenen Mitarbeitern. Im Jahr 2001 hatte Ebone nahezu 300 Millionen Euro Umsatz.
Update:
Reuters berichtet über eine eventuelle Einigung zwischen KPNQwest und den ehemaligen Mitarbeitern, die die Schaltzentrale von Ebone besetzen. Es heißt, man würde bis Ende des Monats das gesamte Glasfasernetz in Betrieb halten wollen. Daher werde man 200 Arbeitern für 14 Tage Lohn zahlen, so dass diese das Netz von Ebone weiter betreuten. Im Forum der ehemaligen Mitarbeiter bestätigt man die Annahme der Regelung in Bezug auf den Bericht von Reuters. Offiziell ist dies noch nicht. Allerdings unterstreicht das Ausbleiben der Abschaltung des Ebone-Netzes um 17:00 Uhr diese Annahme.
Links zum Thema:
Website und Forum der Ebone-Besetzer
de.internet.com
Spiegel Online
Reuters
(AM | 14.06.02)


