Das Bündnis zwischen der Unternehmensmutter AOL und dem einstigen Konkurrenten Microsoft bedeutete nun, wie erwartet, das Ende für Netscape. Entwickler wurden entlassen und sogar Firmenlogos sollen bereits von den Gebäuden entfernt worden sein. Bleibt nur noch Mozilla, aber wie lange?
Bereits seit der Übernahme Netscapes durch AOL führte der früher marktdominierende Browser ein Schattendasein. Die Hoffnungen, der neue Mutterkonzern würde Netscape zu neuer Stärke verhelfen, sind damit endgültig begraben. Nach jahrelangem Rechtsstreit hätte die Einbindung in die AOL-Zugangssoftware neuen Wind in den Markt gebracht. Diese ließ jedoch bis zum Schluss auf sich warten. Ende Mai entschieden sich Mircosoft und AOL Time Warner für eine engere Zusammenarbeit und drehten Netscape entgültig den Hahn ab.
In der letzten Woche wurden nun auch die meisten des Entwicklerteams des Netscape-Browsers gefeuert. Der Rest soll anderen Abteilungen innerhalb des AOL-Konzerns zugewiesen worden sein. Die Liste der Abschied nehmenden liest sich wie die von gefallenen Kriegsveteranen. Kurz zuvor wurde noch die mit Sicherheit letzte offizielle Netscape-Version 7.02 veröffentlicht. Laut Experten wohl der bisher beste Browser aus dem Hause Netscape. Aber wie heißt es so schön? Wenn es am Besten ist, soll man Abschied nehmen. Damit schließt sich nach langem Kampf ein Kapitel Internet-Geschichte.
Ganz vorbei ist es jedoch noch nicht. Seit der Freigabe der Quellcodes von Netscape, tanzten die Entwickler auf zwei Hochzeiten. Mozilla, der kleine Bruder und letztlich die Vorlage für die vergangenen Versionen von Netscape, soll weiterleben. Dazu gründete AOL eine Stiftung und spendete lausige zwei Millionen US-Dollar. Aber Dank der vielen Erzfeinde, die Microsoft nicht kampflos den Markt überlassen wollen, wird es wohl unzählige weitere kleine und große Spenden geben. Eine von den Größeren, laut Medienberichten 300.000 US-Dollar, kam von Lotus-Gründer Mitch Kapor, der künftig als Aufsichtsrat der “Mozilla Foundation” verantwortlich zeichnet.
In den nächsten Monaten wird also Mozilla als Auffangbecken für Netscape-Anhänger dienen. Die Ziele wurden hoch gesteckt. Nach der Lösung von AOL, die immer wieder den Erfolg des Browsers eingeschränkt habe, soll “Mozilla Firebird” vom Geheimtipp unter erfahrenen Nutzern zum Browser der Massen werden. Bis dies gelingt stehen dem teilweise ehrenamtlichen Entwicklerteam noch viele Hürden bevor. Der “Microsoft Internet Explorer” mag zwar nicht der beste Browser sein, aber im Bewusstsein der Nutzer scheint er der einzige zu sein. Geld für großangelegte Werbekampagnen ist wohl nicht da, daher will man die Distributionswege von Mozilla-Produkten mit Hilfe starker Partner massiv ausbauen.
Verstecken muss sich die Open-Source-Software mit Sicherheit nicht. Vielleicht kommen die Pläne Microsofts den eigenen Browser nur noch zusammen mit dem Betriebssystem auszuliefern, also nicht mehr einzeln zum Download anzubieten, dem neuen Mut der Mozilla-Community zu gute. Der Kampf ist also noch nicht ganz zu Ende, trotzdem hat Microsoft längst haushoch gewonnen. Heute benutzen deutlich über 90 Prozent der Internetnutzer den “Internet Explorer”.
Links zum Thema:
Ehemalige Mitarbeiter nehmen Abschied (engl.)
Die turbulente Geschichte von Netscape (engl.)
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Die Netscape Ära ist zu Ende!
Alles zu Netscape und Mozilla
(CBS | 26.07.03)



Mit dem Netscape Navigator habe ich 1996 meine ersten Schritte im Netz gemacht – von daher stimmt mich die “Todesnachricht” schon etwas traurig :-(
Das M$AOL-Dreamteam hat entschieden und spätestens damit dürfte der IE den Kampf im Browsermarkt gewonnen haben – oder ? Betrachtet man den Marktanteil, so bleibt nur ein klares “ja”. Aber : den IE bekommt der größte Teil der User schon vorinstalliert (“friss oder[und?] stirb”) – nur aufgrund dieser Tatsache ist die Verbreitung zu erklären.
Ich habe jedenfalls noch keinen sagen gehört “Ich liebe den IE aufgrund der vielen kritschen Sicherheitslöcher und das die ActiveX/VBSkript-Unterstützung quasi Tür und Tor meines Rechners öffnet, macht den Browser in meinen Augen sehr sympathisch”. Vielmehr hörte ich schon öfters den Satz “Was ? Es gibt auch noch andere Browser ?”
Wie auch immer – Netscape mag tot sein, aber die Software lebt und gedeiht weiter und ich bin mir ziemlich sicher, dass der jetzt schon sehr beliebte und innovative Mozilla (L) eine große Zukunft vor sich hat.
P.S.
welchen Browser ich verwende, dürfte hiermit auch geklärt sein ;-)
ACK. Bin auch absolut kein IE-Freund – weder auf der User, noch auf der Admin-Seite…..(da muss ich mich mit dem aber leider auseinandersetzten…)
Das schlimme am IE ist doch, das er weder HTML, noch CSS oder sonstige Formatierungen (XML, XHTML) vernünftig interpretiert.
Ich hoffe nur, dass M$ nun einige Netscape-Programmierer übernimmt und der IE dann diese “Kinderkrankheiten” los wird (hoffenlich :-) )
Aber ich trage auch “trauer” :-)
Grusz,
Malte
Also ich kann mir nicht im geringsten vorstellen, dass einer der ehemaligen Netscape-Entwickler freiwillig bei Micorsoft arbeiten würde. Eine Reihe der Leute soll ja über die Stiftung für Mozilla angestelt werden. Bin gespannt, wie und ob Mozilla dadurch “wachsen” wird. :-)
@CBS: Geld korrumpiert, der grenzenlose Idealismus der Jugend ist vergänglich… ;-)
Chris v. d. Osten: Am eigenen Leib erfahren? *SCNR*
Aber Sinnvoll wäre das schon. Ich würd mir auch einen 70%Marktanteil des Mozilla wünschen (im übrigen der erste Browser überhaupt). Und selbst der IE gibt sich als Mozilla / IE6,haumichtot aus….
Grusz,
Der Kampf gegen die Vorherrschaft von M$ in den Köpfen der Web-Anwender und -Entwickler ist mir eine Herzensangelegenheit, denn mich regt die verdummende Arroganz des Gates-Konzerns jedes Mal auf, wenn ich ihr begegne – und das ist häufig (Beispiel: “Eigenschaften von Internet” – ?? gemeint sind die Einstellungen des M$ Internet Explorers!!). –
Gestartet habe ich vor 3 Jahren mit Netscape 3 und 4.x. Dass diese Browserversionen, gemessen an den HTML- und CSS-Standards, marode Krücken sind, ging mir erst nach dem Umstieg auf Netscape 6 (jetzt 7) und Mozilla auf. Die Beschränktheit der Netscape-Versionen bis 4.7x hinterließ verheerende Spuren in den Surferköpfen. Die meisten meiner Gesprächspartner verbinden mit dem Namen “Netscape” immer noch die hoffnungslosen Altversionen. Daher habe ich sogar Verständnis, wenn sie nicht bereit sind, eine moderne Netscape-Alternative zum IE zu erproben. Dass die Kinderkrankheiten der ersten Gecko-Version von Netscape (Version 6.0) behoben sind und Netscape 7 ein vorzügliches Internetprogramm ist, ist wenig bekannt. –
Ich hoffe wirklich, dass die Gecko-Familie weiter besteht. Ich arbeite fast ausschließlich mit Mozilla (jetzt 1.4). Im Vergleich zum M$ IE (5.5 und 6) fehlt meinem Browser zwar die geniale Flexibilität des document.all-DHTML-Modells; dafür ist er aber viel konsequenter orientiert an den zukunftsträchtigen DOM-Normen des W3-Konsortiums.
Laut PCWorld.com [Link entfernt] ist Mozilla 1.3 der beste Web-Browser des Jahres 2003.
Dem stimme ich voll und ganz zu. Hoffentlich spricht sich diese Einschätzung auch herum.
//Admin: Link ist nicht nötig, daher entfernt.
Letzte Änderung von Christian Boris Schmidt am 17.08.03, 10:52.
Will MS überhaupt Kinderkrankheiten loswerden? Proprietäte Eigenschaften sind doch gerade eine Spezialität von Microsoft….
und alle neuen Versionen vom Internet-Explorer werden ganz fest mit dem Betriebssystem integriert.
Ich wünsche mir sehr eine stärkere Verbreitung anderer Browser, doch die Marktmacht von MS ist einfach zu groß, und bekanntlich scheisst der Teufel immer auf den größten Haufen.
Ich wiess nicht genau, wie Alternativbrowser in Firmennetzen funktionieren. Bei meinem Arbeitgeber ist alles auf MS aufgebaut einschließlich der Webserver. Da kann ich nur intern andere Browser benutzen, komme jedoch nicht ins Internet. Da neigen dann viele Nutzer auch zuhause dazu, den Internet Explorer einzuschalten.
irgendwo wo anders habe ich mich hier schon mal etwas negativ zu Monoplen geäußert, also dies bitte beachten. :P
Mit kleinen Anmerkungen/Ergänzungen kann ich mich im Großen und Ganzen meinen beiden Vorredner anschließen.
Die Abstriche:
Die Arroganz des Marktbeherrschers zeigt sich nicht nur an M$ sondern zeigte sich auch sehr bei Netscape. Als Netscape 3 noch höchst aktuell war (und besser als IE 3), meinten Netscape mit diesem Marktanteil könnte ihnen keiner was anhaben und haben eigentlich in typischer M$-Manier den Konkurrenten unterschätzt. Dass gegen die Gate$-Millarden nicht leicht anzukommen ist, haben sie leider zu spät entdeckt.
Übrigens ‘könnte’ (und konnte) M$ auch anders.
Der IE4.5 war seinerzeit der einzige Browser der CSS-1 fast 100%ig korrekt dargestellt hat!
;D bevor jetzt hier ein fröhlich zur Tastatur greift um zu schreiben IE 4.5 hätte es nie gegeben, ein kleiner Tip: man schaue über seinen Tellerrand zu Apple Macintosh. IE 4.5 war (und ist natürlich) jedem IE 4 oder 5, Netscape 4.irgendwas weit überlegen. Allerdings legt er auch die Regel nicht nur konform aus, sondern verlangt auch eine regelkonforme Codierung.
Ich persönlich Verbinde mit Netscape eigentlich eher die Version 3, die Krücken von Vers. 4.6x – 4.7x blende ich einfach aus
;D
Aber es ist schon richtig die Versionen 4.6/4.7 haben Netscape das Renomee genommen und wohl zu Recht die Benutzer verjagt.
Aber sagt mal ehrlich, warum sollte sich ein Windows-Normaluser der heute zwangsweise irgendeinen IE drauf hat, sich zusätzlich Netscape drauf tun? Welchen Vorteil hätte der User (kurzfristig)?
Also macht es (fast) keiner.
Das es langfristig u.U. erheblich besser ist, wenn es kein gefestigtes Monopol gibt, steht ganz wo anders…:-(
Letzte Änderung von Chris von der Osten am 05.08.03, 17:57.
Das “geniale” an Microsoft ist einfach die absolute Marktmacht durch das Betriebssystem-Monopol. Solange das nicht fällt, werden andere kein Tageslicht abbekommen. Und, um jetzt zu der nächsten Glaubensfrage überzuleiten, es gibt kein “besseres” PC-OS als Windows, da kann man diskutieren, wie man will. ;D