Wenn es nach dem Willen der deutschen Musikbranche geht, soll sich bald jeder seine Lieblingssongs direkt aus dem Internet herunterladen können – und zwar kostenpflichtig und vor allem legal. Grund: In den letzten Jahren ist der einst blühende Wirtschaftszweig mächtig ins Schwitzen gekommen.
Die Verbreitung von CD-Brennern und die Konkurrenz durch Internet-Tauschbörsen a la Napster, Kazaa, und Co. lassen die Gewinne bröckeln und haben die Konzerne aufgeschreckt. Allein im ersten Halbjahr 2003 sank der Umsatz beim CD-Verkauf um rund 20 Prozent und eine Kehrtwende sei nicht in Sicht. Jetzt will man genau dort auf Kundenfang gehen, wo der allgemeine User sich schon lange beinahe hemmungslos bedient: Im Internet.
Im Herbst soll das Online-Angebot “Phonoline” starten. Dabei handele es sich nicht, so der Bundesverband der Phongraphischen Wirtschaft in Hamburg, um eine einzelne Website sondern vielmehr um ein übergreifendes Projekt. Die User sollen ihre Wunschtitel gleich über mehre populäre Online-Dienste wie die der Fernsehsender RTL und VIVA herunterladen können. Nach langen zähen Verhandlungen konnte sich die deutsche Musikindustrie dazu nun über die Modalitäten ihres gemeinsamen Onlinevertriebs einigen, nachdem dieser eigentlich schon im April starten sollte.
So sind nun alle großen Labels wie Universal, Sony, Warner und BMG genauso wie kleinere Independent-Label unter einem Dach vereint. Laut Financial Times Deutschland entstehe so der größte deutsche Internet-Musikkatalog. Gemeinsam hofft man nun darauf mit dem Vertrieb im Internet ein stetig wachsendes Stück des Umsatz-Kuchens bilden zu können. Das man zuversichtlich ist zeigen die immensen Anfangsinvestitionen.
Die Bezahlung soll wahlweise über die Telekom-Rechnung, mit einer Kreditkarte oder per Lastschrift möglich sein. Wie hoch sie ausfallen soll ist aber noch nicht bekannt. Und das wird wohl das entscheidende Kriterium für den Erfolg sein.
Damit die Suppe nicht frühzeitig versalzen wird, ergreift man zudem auch anderweitig Initiative: Eine Abgabe auf Brenner, Forderungen nach einem Verbot von Kopiersoftware und einer Verschärfung des Urheberrechts sollen dem bunten Treiben Einhalt gebieten oder die gebeutelte Industrie wenigstens weit möglichst entschädigen. Nutzer von illegalen Musiktauschbörsen müssen sich zudem seit heute laut dpa auf unliebsame Mails einstellen: Die Plattenindustrie verschickt nun Email-Warnungen an Surfer, die besonders viele Songs freigegeben haben und warnen vor Urheberrechtsverletzungen.
Links zum Thema:
Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft e.V.
Schema: So soll Phonoline funktionieren (.pdf)
(Gast | 15.08.03)



Lieber Daniel,
ich vermisse im gut recherchierten Beitrag die Musiker und Komponisten, denen ihre Honorare auch flöten gehen.
Warum fällt kein Wort über das strafrelevante Delikt ”Diebstahl” oder darüber dass auch früher schon in den Läden Tonträger die Umsätze der Musikindustrie schmälerten?
Offenheit nach allen Seiten ist sicher nicht ganz einfach – aber m.E. erstrebenswert für jede Art journalistischer Tätigkeit.
Aus Mittelhessen grüsst
(der) Wilfried
P.S. ich gehöre auch zur Kaste der Schreiberlinge ;-)
Da haben wir ja einen neuen Kritiker, der unsere Beiträge durchforstet. Mal sehen, wann die Brot-Theorie auf den Prüfstand kommt… ;D
ebenso OT: keine Angst ich werde auch weiter prüfen ;-)
bin nur etwas von der Viren-Jagd ermüdet :-8
… und lassen wir das Brot lieber im Kasten ;D
BTW: ohne Leser wäre es doch langweilig, oder?