Nach Berichten von Focus Online kündigte der mittlerweile insolvente Internet-Carrier KPNQwest den Vertrag mit dem Webhoster Strato bereits am 28.02. letzten Jahres.
Erst seit der Insolvenz von KPNQwest habe die Öffentlichkeit von dem Problem erfahren, dass die rund 1,5 Millionen im Karlsruher Rechenzentrum der deutschen KPNQwest-Tochter gehosteten Kundenpräsenzen des Berliner Webhosters Strato gefährdet seien.
Angeblich habe Strato mehrere Monate Zeit gehabt durch entsprechende Verhandlungen den Vertrag zu verlängern oder einen neuen Partner zu finden. Strato habe dennoch waghalsig gehandelt und die Kundenpräsenzen in Gefahr gebracht, so die Interessengemeinschaft für Internetuser (IG4).
Durch eine gerichtlich eingeräumte, einstweilige Verfügung habe die Strato-Mutter Teles offenbar im letzten Moment eine Abschaltung der gesamten Domains verhindert. Über die Gefahr einer kurzfristigen Abschaltunge habe man die Kunden zu keinem Zeitpunkt informiert, berichtet die IG4. Selbst die Teles-Aktionäre seien hierüber monatelang nicht beziehungsweise nur sehr schlecht informiert worden.
Auf Anfrage von Focus Online versichrte der Vorstandschef Prof. Schindler, es habe zu keiner Zeit eine Gefahr für das Unternehmen bestanden.
Focus Online berichtet weiter nach Angaben der Fachzeitschrift Internet-World, dass Strato seinen Technikdienstleister KPNQwest offenbar “an der langen Hand verhungern” ließ. So sei der deutschen Tochter nur noch der Insolvenzweg geblieben.
Nach dem Strato-GAU im März 2001, bei dem die Präsenzen mehrere Tage aufgrund von technischen Pannen nicht erreichbar waren, habe Strato die Zahlungen an Technikpartner KPNQwest Germany um 30 Prozent reduziert. So soll die Forderungshöhe kurz vor der Insolvenz des technischen Dienstleisters bereits zwölf Millionen Euro betragen haben. So sei ein kostendeckender Betrieb seitens KPNQwest vor diesem Hintergrund schwer möglich gewesen. Branchenkenner behaupten, dass Teles seinen eigenen Dienstleister in den Ruin getrieben habe.
Gerade für den aktuellen Streit um das Karlsruher KPNQwest-Rechenzentrum sind diese Neuigkeiten interessant. Neben Strato, dessen Kunden ausschließlich in diesem Zentrum gehostet werden, ist Hauptkonkurrent 1&1 ebenfalls an einem Kauf interressiert.
Teles-Chef Schindler berief sich zuletzt auf ein Vorverkaufsrecht für Strato, welches aus dem Webhostingvertrag hervorgegangen sei.
Ob dieses Vorverkaufsrecht von diesen neuen Erkenntnissen beeinflusst werde, wird sich noch zeigen.
Links zum Thema:
InternetCarrier KPNQwest (englisch)
Strato Medien AG
1&1 Internet AG
Focus Online
Interessengemeinschaft IG4
Diese Artikel könnten Sie interessieren:
Alles zu Strato
Alles zu KPNQwest
(AM | 03.08.02)


