Der heutigen Pressemitteilung der Strato-Muttergesellschaft Teles AG zufolge habe Strato das Karlsruher-Rechenzentrum vom seinem inzwischen insolventen Technikpartner KPNQwest erworben.
Die am Freitagabend ausgelösten Transaktionen stünden noch unter den üblichen Gremienvorbehalten. Das sogenannte “Strato-Rechenzentrum” in Karlsruhe sei für die eBusiness-Perspektiven der mittelständischen Unternehmen Deutschlands von größter Bedeutung, so heißt es in der Pressemitteilung weiter. Es beherberge rund 1,5 Millionen “.de”-Domains und die Internetpräsenzen von mehr als 300.000 deutschen Mittelstandsunternehmen.
Nach dem Kauf des Rechenzentrums, der laut Teles eigentlich schon im vorigen Jahr erfolgen sollte, will der Teles-Konzern nun seine Produkt-und Dienstleistungsangebote für den Wirtschaftsbereich “mittelständisches eBusiness” weiter ausbauen und “wegweisende Innovationen dazu kurzfristig auf den Markt bringen”, wie es heißt.
Die Unwahrheiten in den Medienberichten, die in den letzten Tagen erschienen, hätten die Transaktion um das KPNQwest-Rechenzentrum gestört bzw. die rechtlichen Grundlagen in Frage gestellt; “offensichtlich mit dem Ziel der Beeinträchtigung der Integrität von Strato bzw. Teles auf dem Markt”, so die Pressemitteilung. Man wolle dagegen auf dem Rechtsweg vorgehen.
Nach Berichten von heise.de habe Sigram Schindler, Vorstandsvorsitzender der Teles AG und Aufsichtsratsvorsitzender der Strato AG, außerdem mitgeteilt, dass “eine kleine Gruppe von sechs bis sieben KPNQwest-Mitarbeitern” bei Strato weiterarbeiten würden. Zum genauen Kaufpreis habe er im Gespräch mit heise.de keine Angaben machen wollen. Man habe zwar mehr ausgegeben als ursprünglich geplant, der Preise liege aber “deutlich unter dem” der Gebote der Mitbewerber am Webhosting-Markt.
Damit dürfte wohl insbesondere die 1&1 Internet AG angesprochen worden sein. 1&1 habe nach eigenen Angaben mehr als 15 Millionen Euro für das Rechenzentrum geboten, in dem ihr größter Konkurent sitzt. Strato wehrte sich allerdings gegen den Erwerb “ihres” Rechenzentrums durch 1&1. Eine einstweilige Verfügung konnte erwirkt werden. Eine Untersuchung durch das Bundeskartellamt wegen der Gefahr eine Monopolstellung wurde aber abgelehnt, wir berichteten.
Laut dem Kooperationsvertrag zwischen Strato und KPNQwest habe Strato angeblich ein gewisses Vorverkaufsrecht und somit die Möglichkeit “die Hardware und die spezielle Software, die KPNQwest zur Erfüllung des Kooperationsvertrages einsetzt” dann zu kaufen, wenn KPNQwest insolvent ist.
Nach den kürzlichen Berichten von Focus Online sei dieser Vertrag allerdings im Februar des letzten Jahres ausgelaufen. Ob das Vorverkaufsrecht damit noch Gültigkeit hatte, ist weiterhin unbekannt.
Thilo Huys, KPNQwest-Sprecher habe den Verkauf indess bestätigt, so heise.de. Beim Angebot von Strato habe es sich um “das qualitativ beste Angebot gehandelt”. Daraufhin habe sich der Insolvenzverwalter Ulrich Bert für dieses entschieden.
Links zum Thema:
Strato Medien AG
Teles AG
1&1 Internet AG
InternetCarrier KPNQwest (englisch)
Focus Online
heise.de
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(AM | 05.08.02)


