Die Einen sprechen vom Bilderbuchstart, die Anderen von einem Desaster. Anfang diesen Monats begann die allgemeine Registrierungsphase für die neue EU-Top-Level-Domain. Innerhalb weniger Stunden wurden mehr als eine Million Domains gesichert. Leider ging es dabei jedoch offenbar nicht immer mit rechten Dingen zu.
Durchschnittlich 76 EU-Domains seien pro Sekunde von mehr als 1.600 Registraren registriert worden, berichtet united-domains. Ursprünglich sollten alle Registrare bei der Vergabe der EU-Domains gleichberechtigt sein. Doch gerade die große Anzahl an akkreditierten Registraren sorgt für Unruhe. So berichten Medien, dass zahlreiche Unternehmen eigens für die Registrierungsphase gegründet worden seien. Allein aus drei US-Städten seien mehrere hundert Registrare gegen eine Kaution von jeweils 10.000 EUR angemeldet worden.
Die Initiative eudomaindesaster.org macht derweil international gegen die Benachteiligung mobil. So seien zuletzt in der sogenannten Landrush-Phase rund 200.000 generische Domains, also allgemeine Begriffe, durch knapp 650 Phantom-Registrare systematisch gegrabbed worden. Bereits vorher hätten Spekulanten mit Markentricks von ca. 20.000 generischen Domainnamen wie “hotel.eu” vermeintlich unberechtigt Besitz ergriffen. In der Sunrise-Phase war die Registrierung Markeninhabern vorbehalten gewesen. So sei es möglich gewesen, mit der Marke “Sex”, die in Schweden für Futtertröge eintragen worden sei, eine der beliebtesten, generischen EU-Domains überhaupt zu sichern. Eudomaindesaster.org erwägt mitlerweile juristische Schritte.
Bis heute sind insgesamt rund 1,5 Millionen EU-Domains registiert worden. Verglichen mit knapp 10 Millionen gesicherten DE-Domains und rund 50 Millionen belegten COM-Domains bietet die EU-TLD dennoch weiter ausreichend Potenzial für gute Geschäfte und Freiraum für interessante Domainnamen.
Links zume Thema:
united-domains
eudomaindesaster.org
(CBS | 17.04.06)


