Wenn Affiliate Marketing nicht verstanden wird, kommen die kuriosesten Ergebnisse dabei heraus. Aktuelles und krasses Beispiel ist das Germanwings Partnerprogramm bei zanox. Hier zahlen jetzt die vermittelten Kunden, die einen Flug buchen, die Provision der Affiliates. Das Ende eines Erfolgsmodells?
Wer mit seiner Homepage Geld verdienen möchte arbeitet oft mit Partnerprogrammen. Dank affilinet, zanox & Co. ist es heute möglich mit fast jedem namhaften Unternehmen unkompliziert eine Werbepartnerschaft einzugehen. So auch mit der bekannten Low-Cost-Airline Germanwings.
Die bekannte Billig-Airline hat jedoch kürzlich seine Bedingungen im Partnerprogramm zum Nachteil aller Affiliates geändert. Demnach zahlen Kunden, die über einen Partner einen Flug “ab 19 Euro” buchen, seit 10. März einen Buchungszuschlag von 10 Euro. Damit wolle man die Provisionen von 5 bis 8 Euro (für Premiumpartner) je Buchung finanzieren. Über eine gesonderte Landingpage werden diese abgerechnet.
Kehrt ein geworbener Kunde auf die offizielle Homepage zurück, wird nicht mehr, wie sonst üblich, eine Provision vergütet. Gleichzeitig bleibt der direkte Weg auf www.germanwings.com für Kunden die günstigste Art der Buchung für Germanwingsflüge. So wird Germanwings auch hierüber weiter Umsätze durch Partner machen, diese an diesen jedoch nicht mehr beteiligen.
Anbieter, die das Potenzial von Affiliate-Partnerschaften erkennen, unterstützen diese normalerweise mit Gutscheinen, Rabatten und Sonderaktionen. Germanwings zeigt mit der jüngsten Änderung jedoch ganz offensichtlich seine Unkenntnis über erfolgreiches Online-Marketing. Im Gegensatz dazu kosten Germanwings Printanzeigen oder Plakatwerbung ohne Erfolgsgarantie viel Geld. Demnach müssten Kunden, die so geworben werden, wohl hunderte Euro Buchungszuschlag zahlen, um annähernd die direkten Werbungskosten zu refinanzieren. Auch bei Suchmaschinen-Werbung z.B. über Google, wo Germanwings für jeden weitergeleiteten Besucher zahlt, wird sinnvollerweise kein Zuschlag berechnet. Warum also im Partnerprogramm, wo nur Kosten entstehen, wenn Umsatz geschaffen wird?
Offenbar sind “dumme Websitebetreiber”, die nur im Falle eines Verkaufserfolges verdienen und somit “billige Werbung” machen bei Germanwings jedoch unerwünscht. Diese ziehen auch zu Recht erste Konsequenzen, stornieren ihre Partnerschaft und kritisieren die Änderungen vielfach öffentlich. Gleiches sollte jeder Websitebetreiber im Germanwings Partnerprogramm tun. Andere Fluggesellschaften wie HLX, dba und AirBerlin bieten fairere Bedingungen für Kooperationspartner und ähnlich attraktive Angebote für Reisende.
Leider ist Germanwings zwar ein haarsträubendes Beispiel, aber
nicht der einzige Fehlgriff von Partnerprogrammbetreibern. Viele Unternehmen verstehen Affiliate Marketing offenbar falsch. Manch einer zahlt Verkaufsprovisionen, dann aber bitte nur bei Neukunden. Der Nächste hält es für üblich, dass ein Kredit innerhalb von 30 Minuten abgeschlossen wird und zahlt auch nur dann eine Provision, selbst wenn der Abschluss wenige Minuten später passiert. Nun hat dieses “Virus” auch die Reisebranche erreicht. Bleibt abzuwarten, was als nächstes kommt.
Update
Letztlich hat Germanwings sein öffentliches Partnerprogramm ganz eingestellt und hat wohl möglich die besten Partner für eine Direktkooperation “mitgenommen”.
Links zum Thema:
Beim HLX-Partnerprogramm bewerben
Partner von flydba werden
Als Affiliate für AirBerlin werben
Billigflieger Preisvergleich
(CBS | 12.03.06)


