Die Qualität der Websites im deutschsprachigen Raum nahm zu. Dazu trug auch feedback-tausch.de bei. Seit dem 24. September 1999 tauschen dort Webmaster ihr Feedback. Der Erfinder und Betreiber über Konzept und Geschichte des Projekts.
Jeder Webmaster soll sein Feedback bekommen
Jeder Webmaster hat diese Erfahrung schon gemacht. Die Gäste nutzen die Seite ausgiebig, aber angebotene Feedback-Möglichkeiten wie Kontakt-Formulare, Gästebücher oder sogar extra Feedback-Formulare werden eher selten genutzt. Vieleicht liegt das an der “Tu nix umsonst”-Parole, die von webmiles.de so ausgiebig beworben worden ist, vielleicht aber auch nur an der Faulheit der Gäste. So kann man sich als Webmaster eventuell in einigen Foren ein bisschen Feedback holen, oder aber beim Feedback-Tausch selber aktiv werden, um sich das erwünschte Feedback zu ertauschen.
Wie alles begann
Die Anfänge des Feedback-Tausch reichen zurück bis ins Jahr 1999. Wie so viele Webmaster fragte ich mich natürlich auch, was meine Besucher denn so von meinen damaligen Web-Projekten hielten. Aber von Gästebuch und Feedback-Formular wurde leider eher sporadisch Gebrauch gemacht und mir wurde dann auch klar, dass man seine Besucher ja nicht zwingen konnte, Kritik oder Lob zur Site abzugeben.
Da fand ich im Newsletter der Akademie.de im September 1999 einen Hinweis auf einen neuen Service in den USA. Dort konnten Webmaster ihre Site zur Rezension stellen, wenn sie auch andere Sites rezensierten. Das ganze wurde über Newsletter und E-Mail abgewickelt. Im Prinzip fand ich die Idee eigentlich gleich sehr gut. Aber das Verfahren schien mir doch irgendwie zu umständlich und vor allem auch sehr arbeitsaufwändig für die Anbieter dieses Service. Das musste doch irgendwie auch automatisch gehen.
Als Programmierer fühlte ich mich da sofort herausgefordert. Also ging ich daran, einen ähnlichen Dienst in deutscher Sprache zu entwerfen und in Perl zu programmieren. Damals wurde die Datenhaltung in einem einfachem Text-File realisiert. Am 24.9.1999 war es dann soweit: Die erste Version des Feedback-Tausch ging online. Glücklicherweise hat Sven Lennartz (alias Dr.Web) auch meinen Dienst gleich im nächsten Newsletter der Akademie vorgestellt und damit war das Projekt gleich sehr gut angeschoben. Auch andere recht gut besuchte Adressen für WebDesign waren dem Projekt gleich gut gesonnen, verlinkten die Site und sorgten so für einigen Traffic. Und ein Artikel über den Feedback-Tausch im Dunstkreis von SELFHTML, dem wohl wirklich bestem deutschsprachigem HTML-Tutorial, sorgte für diverse Besucher beim Feedback-Tausch. Auch die Einträge bei kostenlos.de oder geizkragen.de brachten viele Feedback-Tauscher.
Das Konzept
Der grundlegende Gedanke beim Feedback-Tausch ist der, dass der teilnehmende Webmaster durch die Anzahl der eigenen Beiträge auch die Anzahl der erhaltenen Rezensionen steuern kann. Diese Gegenseitigkeit scheint mir auch tatsächlich noch immer den Reiz des Systems auszumachen. Ich erhalte immer wieder Rückmeldungen, in denen die Webmaster schreiben, dass gerade auch der “Zwang”, sich mit einer fremden Site auseinanderzusetzen, dazu führt, generelle Fehler zu erkennen, die man aus Betriebsblindheit beim eigenen Projekt nicht erkennt.
Ein weiterer Aspekt des Konzepts sollte sein, dass das Projekt nicht ständige Moderation und Administration erfordern sollte. Ich will auch mal in Urlaub fahren können, ohne dass das System darniederliegt. Das scheint nach der Erfahrung der letzten Jahre auch gelungen. Die Disziplin der Webmaster ist erstaunlich gut, so dass tatsächlich fast völlig auf Moderation verzichtet werden kann. Natürlich werden alle Feedbacks geprüft, damit keine unerwünschten Sites (Porno,Warez,sonstiges Illegales) in der Datenbank landen.
Die Realisierung
Die erste Version des Feedback-Tausch war komplett in Perl programmiert. Die Daten waren in einem Text-File abgespeichert. Das erwies sich ziemlich schnell als problematisch, da die Zugriffszeiten mit der Anzahl der teilnehmenden Webmaster immer schlechter wurden. Auch die Möglichkeiten für die Teilnehmer, ihre Daten nachträglich zu verändern, waren nur sehr eingeschränkt.
Daher musste ziemlich schnell eine andere Art der Datenspeicherung her. Die Lösung hierfür war der Einsatz einer mySQL-Datenbank. Die zweite Version wurde also in Perl programmiert mit Zugriff auf mySQL unter Nutzung des DBI-Moduls. Das bot dann auch gleich schöne Möglichkeiten zur Erweiterung der Service-Funktionen. Seitdem ist es möglich, in der Feedback-Tausch-Datenbank nach Stichworten zu suchen oder sich Statistiken ausgeben zu lassen.
In Erweiterung der zweiten Version kam dann auch der Einsatz von PHP und Javascript hinzu. PHP wird genutzt, um z.B. auf der Hauptseite jederzeit die aktuelle Anzahl von teilnehmenden Sites und die aktuelle Anzahl der Feedbacks auszugeben. Mit Javascript wird u.a. das korrekte Ausfüllen der Formulare überprüft. Außerdem wurde die eigentliche Basis-Funktionalität erweitert um die Möglichkeit, bequem die Daten des Eintrags zu verändern, sowie sich sein (vergessenes) Passwort über Mail zusenden lassen zu können. Nicht zuletzt haben Feedback-Tausch-User seither auch die Möglichkeit, ein eigenes Feedback-Formular für ihre Seite einzusetzen, auch ohne eigenes CGI.
Da ich Programmierer, aber sicher kein genialer Webdesigner bin, fehlte nur noch ein schönes Layout. Das kam im November 2000 zustande, als ein zufriedener Benutzer mir anbot, das Design komplett zu überarbeiten. So kam meine Partnerschaft mit Dirk Metzmacher (Autor der DrWeb-Photoshop-Tips und CD) zustande, der nicht nur dem Feedback-Tausch, sondern auch meinem anderen Projekt, Homepage Design für Einsteiger, ein wirklich schönes Design verpasste.
Abgerundet wird das ganze Angebot seit Anfang 2002 durch ein gut besuchtes Webmaster-Forum und ein umfangreiches Webmaster-FAQ. Beides können wir dank unseres Partners Masterportal24 anbieten.
Das System / der Ablauf
Ein neuer Benutzer des Systems muss zuerst erstmal seinen “Antritts-Beitrag” leisten, indem er aus einer Liste zu rezensierender Websites eine auswählt und sich diese Site genau ansieht. Zunächst trägt er dafür in ein Formular einige Informationen zu seiner eigenen Umgebung ein, wie Betriebssystem, verwendeter Browser, Internet-Anbindung. Das soll dem getesteten Webmaster helfen, zu erkennen, mit welcher Konfiguration sein Gast ggf. Probleme mit der Site hat.
Dann folgt ein Formular, in dem der testende Webmaster seine Beurteilung der Site nach einer Art Schulnoten-System abgibt. Außerdem soll er dem Besitzer der getesteten Seite in einem Freitext-Formular mit mindestens 300 Zeichen einen Kommentar zu seinem Eindruck geben. Auch konstruktive Verbesserungsvorschläge werden hier in der Regel gegeben. Das letzte Formular dient zur Aufnahme der Daten des Testers. Verlangt sind hier der Name seiner Site, die URL, seine Email-Adresse und sein Name. Hat der neue Benutzer alle Formulare korrekt ausgefüllt, wird das Feedback per Email an den getesteten Webmaster geschickt. Der neue Benutzer erhält eine Userid und ein Passwort, womit er sich zukünftig bei weiteren Feedbacks identifizieren kann.
Ausblick
Der Feedback-Tausch war im deutschsprachigen Raum das erste Angebot dieser Art. Inzwischen sind viele weitere Angebote hinzugekommen, über die Webmaster sich Feedback zu ihren Seiten holen können. Da gibt es Foren, in denen man seine Seiten zur Diskussion stellen kann, oder Angebote, bei denen Webmaster-Teams ihr Know-How zur Verfügung stellen, um anderen weiterzuhelfen. Alle diese Angebote haben dazu beigetragen, dass die Qualität der Websites im deutschsprachigen Raum meiner Ansicht nach überdurchschnittlich ist. Auch der Feedback-Tausch wird zukünftig weiter zu dieser erfreulichen Entwicklung beitragen, indem am Angebot permanent weiter gefeilt wird, um die Teilnahme für die Benutzer immer einfacher und komfortabler zu machen. So wird also am 24. September 2002 der 3. Geburtstag des Feedback-Tausch gefeiert mit dem Ausblick auf weitere zufriedene Teilnehmer und bessere Websites.
Links zum Thema:
Feedback-Tausch – Webmaster rezensieren Webmaster
Homepage-Einsteiger – Homepage-Design für Einsteiger
Webmaster-Forum – Webmaster helfen Webmastern
SELFHTML – Die Referenz in Sachen HTML
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Feedback ermöglichen
Für Besucher gestalten
(Gast | 06.07.02)



Ich nahm vor kurzem am “Feedback-Tausch” teil, weil ich durch diesen Beitrag dorthin gelenkt wurde.
Ca. eine 3/4-Stunde saß ich daran, eine Netzseite zu betrachten, um anschließend eine ausführliche, alle Bereiche abdeckende Rückmeldung abzusenden. Die Gegenleistung, die mir einige Tage später dafür geboten wurde, beinhaltete eine kurze Wertung und den Kommentar, die Schrift hebe sich zu wenig vom Hintergrund ab- nichts zur Steuerung, nichts zur Gestaltung. Vielleicht könnte dieses Angebot glänzen, würde man Sehbehinderte fortan ausschließen.
Lieber Ferdinand Waege,
ich lese ihren Kommentar mit gemischten Gefühlen.
1. Es gibt sicher auch Sehbehinderte im Feedback-Tausch, wir haben sogar ein blindes Mitglied, aber wollen diese nicht diskriminiert sehen.
2. Ich halte es für sehr löblich, dass sie sich 3/4 Stunden mit einer Website auseinandergesetzt haben und auch nachweislich ein recht konstruktives Feedback abgegeben haben.
3. Ihr kritisiertes Feedback kam nicht nach Tagen, sondern etwa 3 Stunden später.
4. Das Feedback enthielt durchaus mehr, als von ihnen erwähnt. Sicher aber hat sich derjenige nicht länger als 5 Minuten mit ihrem Angebot beschäftigt. Aber das kommt halt vor. Nicht nur beim Feedback-Tausch, sondern überall. Es gibt Leute, die nehmen eine Aufgabe ernst, und solche, die in einem Angebot wie dem Feedback-Tausch nur ihren eigenen Vorteil suchen.
Wir können unsere Benutzer nur begrenzt zwingen, umfangreiche Feedbacks abzugeben. Technisch haben wir einen Zwang zu 300 Zeichen Kommentar, wenn diese technische Regelung durch Eingabe von Dummy-Zeichen umgangen wird, behalten wir uns natürlich Restriktionen vor. Mehr kann der Feedback-Tausch da nicht machen. Ansonsten ist er vom Einsatzwillen der beteiligten Webmaster abhängig.
Ich kann nur raten, es nicht bei einem Feedback (im Tausch) zu belassen, denn erst in der Vielfalt der Meinungen ergibt sich richtiger Nutzen. Da bekommt man dann eben mal ein Feedback in der Minimal-Länge von 300 Zeichen, aber dann auch mal eins, dass den Umfang ihres Feedbacks überschreitet.
Es ist halt wie beim Restaurant-Besuch. Wenn mir ein Gericht in einem Lokal nicht geschmeckt hat, dann muss nicht gleich das Restaurant schlecht sein, es kann auch sein, dass der Koch eben genau an diesem Tag eine Grippe gehabt hat. Ein einziger Versuch ist eben eine untaugliche Stichprobe.